Bis zum Jahr 2020 wird nach einer Studie der obersten
Landesgesundheitsbehörden (AOLG) die Zahl der über 65-Jährigen um 37 %
zunehmen, die der über 80-Jährigen um 97 %. Die durchschnittliche
Lebenserwartung wird 2020 für Männer bei 81 Jahren liegen, für Frauen
bei 87 Jahren. Die Geriatrie ist innerhalb der Medizin die Branche mit
dem stärksten Wachstum. Die Osteopathische Medizin muss auf diese
gesellschaftliche Entwicklung eine Antwort geben.
Basis-Konzept:
Geriatrische Osteopathie (GO) ist mehr als Osteopathie im Alter. Das
Alter und vor allem das Hohe Alter (über 80 Jahre) erfordert eine
spezifische Betrachtung von Krankheit, Gesundheit und Lebensqualität.
Nach zahlreichen Umfragen sind die wichtigsten Ziele älterer Patienten:
beweglich bleiben, geistig fit, zu Hause in den eigenen vier Wänden
(nicht ins Heim), keine Schmerzen erleiden. Insgesamt steht eine
verbesserte Lebensqualität im Vordergrund und weniger die Heilung
irgendwelcher Erkrankungen. Lebensqualität ist aber gerade im Alter
total individuell und oft völlig unterschiedlich. Der Patienten
zentrierte Fokus der Osteopathie bietet hier einen idealen Ansatzpunkt
für eine individualisierte osteopathische und medizinische Therapie.
Osteopathie kann hier stark interdisziplinär wirken und eine
Lotsenfunktion für den Patienten übernehmen. Geriatrische Osteopathie
muss osteopathische Prinzipien und Methoden den Bedürfnissen älterer
Patienten anpassen und auch neue Konzepte entwickeln.
Kurs-Konzept:
Geriatrische Osteopathie ist eine postgraduierte Fortbildung aufbauend
auf dem Diplom mit Teilspezialisierung. Das Kurssystem ist so aufgebaut,
dass alle Kurse in sich geschlossene Einheiten bilden und somit in der
Reihenfolge beliebig absolviert werden können. Der Vorteil liegt darin,
dass einzelne Module auch isoliert gebucht werden können. Alle Kurse
sind sehr stark praxisorientiert, im klinischen Kurs steht die Arbeit am
Patienten mit Supervision im Vordergrund.
Kursmodule:
1. Einführungskurs Geriatrische Osteopathie mit indirekten Techniken
2. Still-Techniken
3. Advanced Myofascial und Narbenbehandlung
4. Manuelle Thermodiagnose
5. Oscillatory Release
6. Becker Techniken und viszerale Osteopathie im Alter
7. Klinischer Kurs und Prüfungskurs
Abschluss der Kursreihe:
Am Ende des Kursprogramms Geriatrische Osteopathie erhalten alle
Teilnehmer ein Diplom für Geriatrische Osteopathie.
Kursinhalte:
Einführungskurs Geriatrische Osteopathie mit indirekten Techniken
Einführung in die Thematik Osteopathie im Alter. Geriatrisches
Assessment, wichtige organ-medizinische Erkrankungen, Screening-Scanning,
Therapieziele, individualisiertes Therapiekonzept, Evaluation. Indirekte
Techniken kombiniert: Counterstrain kombiniert mit MET, MFR kombiniert
mit MET, FPR, dynamisch funktionale Techniken.
Still-Techniken
Unter Still-Techniken versteht man eine Methode, die von R. van Buskirk,
D.O., F.A.A.O. wieder entdeckt wurde. A. T. Still, D.O. hat vermutlich
in ähnlichem Stil gearbeitet. Bei der Still-Technik benutzt man die
klassische MET Diagnostik, in der Therapie wird Sequenz von maximal ease
bis maximal bind kombiniert mit einem Kompressions-Vektor eingesetzt.
Still-Techniken sind in der Ausführung anspruchsvoll, aber extrem
effektiv und zielgerichtet. Neben den Grundlagen werden spezifische
Anwendungen für die gesamte Wirbelsäule und die Extremitäten gezeigt.
Still-Techniken lassen sich gut mit anderen OM-Techniken wie MET oder
Functional kombinieren.
Advanced Myofascial und Narbenbehandlung
Lokale, regionale und komplexe Dysfunktionen und die Strategie der
Narbenbehandlung, Physiologie der Narbe, Auswirkungen von Narben,
Einteilung in lokale, regionale und komplexe Dysfunktionen,
diagnostisches Vorgehen, lokale Narbenbehandlung, komplexe
Dysfunktionen, myofasziale Therapie mit Becken, Chila Arm und Bein,
lymphatische Therapie nach Zink und Chila, Schock-release, viszerale
Therapie unter Narbengesichtspunkten mit aktivierenden Kräften,
Integration der Methoden in ein logisches Konzept, klinische Beispiele,
Fallbehandlung im Kurs.
Oscillatory Release and bioenergetic Palpation
Oscillationen wurden in der Osteopathie von Anfang an benutzt.
Facilitierter oscillatorischer Release ist eine strukturierte Methode,
Oscillationen in verschiedenen Behandlungsformen zu integrieren. Der
Workshop konzentriert sich auf die Geschichte, die Prinzipien, die
Physiologie und vor allem auf die praktischen Anwendungen in der
Osteopathie. Wir zeigen formale Anwendungen am gesamten Körper und
darüber hinaus den sog. improvisierten therapeutischen Stil. Dr. Comeaux
hat längere Zeit auch mit R. Fulford, D.O. gearbeitet und wird Fulfords
Ideen in dem Masterkurs präsentieren.
Becker-Techniken und viszerale Osteopathie im Alter
R. Becker hat um 1940
einen ganz eigenen Stil zur Behandlung somatischer Dysfunktionen (SD)
entwickelt. Er palpiert zunächst den CRI in der SD und arbeitet mit
einer Induktionstechnik, anschließend folgt man dem Gewebe bis in den
Stillpunkt. Dabei durchläuft man mehrere Phasen. Am Ende des
Stillpunktes entwickelt die "Potency" ihre Kraft und es sortiert sich
die gesamte Physiologie des Gewebes neu. Eingebettet in ein didaktisches
Konzept wird im Kurs systematisch
die Kunst von Becker erlernt von der Bewegung zur Stille und zurück zur
Bewegung. Da die Becker Technik eine universelle osteopathische Methode
ist, werden im zweiten Kurseil viscerale Organe so behandelt.
Prüfungskurs
Osteopathische Geriatrie
Im Prüfungskurs üben wir die komplexe Anwendung der verschiedenen
geriatrischen Methoden an Patienten. Ausgehend von der Untersuchung wird
ein Behandlungsplan entwickelt und die praktische Umsetzung in
Kleinstgruppen geübt. Der Prüfungskurs ist in erster Linie ein
interaktiver Workshop, bei dem vor allem die Erfahrung der Teilnehmer
und der Prüfer mit eingeht. Zusätzlich zum praktischen Teil hören wir
Vorträge aus der medizinischen Geriatrie.